Bananenäpfel und Waldgestalten

Diesen Eintrag habe ich vor längerer Zeit verfasst, bin aber nicht dazu gekommen, ihn fertigzustellen. Deshalb kommt er jetzt und die aktuellen Neuigkeiten das nächste Mal 🙂

Es ist zwar wärmer als in Deutschland und generell ein wieder viel zu lauer Winter, aber sich hier warm zu halten immer noch nicht so leicht. Das Feuerholz ist nass und brennt nicht und für Wärmeflaschen bleibt oft nicht die Zeit und im Haus ist es meistens kälter als draußen.

Wir haben vor kurzem die Schafe und Cadeau, den Esel zum Nachbarhof gebracht, damit sie dort wieder Urlaub machen und Rasenmäher sind. Wegen einem Missverständnis durfte ich sie gleich am nächsten Tag wieder zurückholen, was mir aber nichts ausgemacht hat, weil ich es liebe, mit den Vieren durch den Wald zu ziehen und sie dabei grasen zu lassen. Am besten hat es geklappt, als ich sie ganz frei neben mir herlaufen lassen habe. Ach, ich wäre manchmal gern Hirte.

Diese Woche war dann der praktische Beginn des forêt nurricière / food-forest, nach den Prinzipien der syntropischen Landwirtschaft und Permakultur. Als erstes haben wir kleine Holzstückchen vom Nachbardorf, einem großen Resthaufen geholt, die für den Anfang unseren Waldboden imitieren um das selbstgeplante Ökosystem in Gang zu bringen. Dafür sind wir zweimal mit dem Anhänger losgefahren, und haben mit Eimer und Schaufeln riesige Massen abgetragen, was körperlich schon anstrengend war. Dann wurden die ersten Waldstreifenstücke eingezeichnet, temporäre Grenzen gelegt, die Mitte mit Mehl markiert, die Erde geöffnet, die großen Wurzeln ausgelesen und: Die ersten 350 Bäume gekauft! Dafür sind wir zu einer sehr interessanten Permakulturbaumschule gefahren, die ca. 2 Autostunden entfernt lag. Darunter sind Feigenbäume, Wallnussbäume, Apfel und Birnenbäume, Beerenbüsche, Rhababar und sogar einen exotischen Baum, der sich an französische Klimabedingungen gut anpassen kann. Außerdem sammeln wir die Kerne aller Früchte die wir essen für den Wald. Die Baumschulenbesitzerin der Jardins de Peyreladas heißt Chloé und läuft immer mit einem regenbogenfarbenen Pulli und im Winter mit der dazu passenden regenbogenfarbenen Mütze herum. Sie ernährt sich aus ethischen Gründen also zur Verschonung von den lebenden Pflanzen nur von ihren Früchten. Sie hat superviel Energie und Lebensfreude, das kann man nicht anders sagen. Ein Mitarbeiter und Bekannter von Lotte hat uns dann ausnahmsweise eine riesige Führung um den Hof mit seinen kompliziert angelegten Baumpfaden gegeben und uns Apfelsorten testen lassen (die sogenannten „Pommes-banane“ haben wirklich 1:1 wie Bananen gerochen).

Ansonsten haben wir Tore für den kleinen Garten aus Weidenholz geschreinert, viel mit den Kindern herumgealbert und babysitting gemacht (die beiden hängen inzwischen sehr an uns), spirituell abgedrehte Menschen beim Soirée getroffen, das Festival geplant, uns über die Bank geärgert, weil es dort immer Probleme mit dem Konto gibt und gemütlich abends auf La Mhotte gejamt. Der Weg dahin ist wieder seit ein paar Tagen überschwemmt aber mit manchen Gummistiefeln gerade noch begehbar.

Mit einigen anderen Freiwilligen war ich auch wieder in der Pointbar um einen Kaffée zu trinken, wo wir natürlich Hamza getroffen uns seinen Geschichten zugehört haben. Statt seinem angeblichen Wanderritt von Prag in die Auvergne war es diesmal über gespenstische Waldgestalten und marokkanische Gins, die er gesehen haben will. Ach Hamza.

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