Eine Panne, Seefahrt und ein Altenheim

Es war an der Zeit, auch mal unsere Nachbarn kennenzulernen. Unsere „Nachbarn“ sind zwar teilweise echt weit entfernt und man läuft sich gar nicht unbedingt über den Weg, aber es hat mich schon die ganze Zeit interessiert, wer hier noch so wohnt. Deswegen war es cool, das hier alljährig veranstaltete Galette-des-Rois-Nachbarschaftsessen mitzubekommen. Ein junges Pärchen, ein älteres Pärchen, Veronique (die mit den Pferden) und ihr Mann und natürlich die Eltern einer neu zugezogenen Kuhbauernfamilie sind dazu im Saal unserer Gite eingetrudelt. Viel schnelles französisch, dass ich aber zum Glück immer besser verstehe und ein Gespräch mit einem jegliche Form von Elektronik ablehnenden älteren Mann sind mir im Gedächtnis geblieben. Es war interessant, ein bisschen verrückt und die Runde wirklich bunt zusammengewürfelt.

Ich habe mal wieder gemerkt, wie krass die Ideologie der Antroposophie hier ausgelebt wird, als ich auf einem Spectacle D’Eurythmie war, wo Rudolf Steiners Zitate als die Wahrheit bezeichnet wurden, der sich auf seine überirdischen Fähigkeiten und himmlischen Eingebungen beruft und einer der Vorreiter des Nationalsozialismus war. Trotzdem gibt es natürlich die guten Seiten des Ausdrucktanzes und der Waldorfpädagogik.

Die letzte Woche hat Conny ihr vor 20 Jahren selbstgeschriebenes Buch über Waldorfpuppen in Holland verlegen lassen :D. Das hieß für Laura und mich wieder viel unabhängige Arbeit in Form von kleinen Aufgaben einer langen Liste, für mich aber leider auch viele Stunden krank im Bett.

Ein Einblick in die Aufgaben und die lustige Übersetzung einer Holländerin

Zum Glück hatten wir Verstärkung von Helena, die in den Pyrenäen ihr DFÖJ macht und zusammen mit ihrer Mitbewohnerin wegen einer Autopanne auf La Mhotte gestrandet ist. Während das Auto untersucht wurde, hat sie also ihr „Öki-Glück“ (einen Austausch der Einsatztellen mit einem anderen Freiwilligen) bei uns auf La Caille gemacht und unter anderem einen Fußabputzer aus einem alten Besen und ein Obergeschoss für das Meerchweinchengehege gebaut. Für sowas war dann auch mal Zeit 🙂

Samstag bin ich mit Siiri in See gestochen. Wir haben das Miniboot auf unseren Minisee verfrachtet, sind mit Bambusstöcken drauf rumgepaddelt haben das schöne Wetter genossen und beschlossen, dass dieser Tag Sommer ist. Abends waren wir Freiwilligen nocheinmal fast alle zusammen bevor Brice nach Nantes, Bruno und Antonia nach Deutschland und Isi und Siiri nach Paris gereist sind. Wir haben ganz gemütlich alle bei uns im Wohnzimmer vor dem Kamin geschlafen. Heute kam mir La Mhotte mit nur 5 Leuten beim Mittagessen fast leer vor.


Auch mit der Planung für das Festival das Laura, Toni, Bruno, Isi und ich für den Sommer planen geht es voran. „Le monde des ondes“ wird unser ökologisch-künstlerisch-musisches Event für jeden werden und auf La Mhotte und La Caille stattfinden. Wir haben schon viel Unterstützung von einem Verein, den Einsatzstellen der Gegend und manchen alternativen Leuten hier zugesagt bekommen. Mehr verrat ich mal noch nicht.

In Bourbon gibt es ein riesiges, vergessenes Altenheim (Maison de Retraite), was wir Sonntag entdeckt haben. Es ist architektonisch echt cool gebaut und unglaublich riesig! Bestehend aus 4 oder 5 Gebäudekomplexen war es mal sehr wichtig für die kleine Stadt. Es hatte eine Bühne, sowas wie eine Bar, ein Schwimmbecken und jede Menge versteckte Erker. Für uns war es eine Mischung aus Krimi- oder Internatfilmdrehort, Taubenfriedhof und Labyrinth und auf jeden Fall beeindruckend.

Gestern haben wir wieder Leute aus der (weiteren) Umgebung kennengelernt, die auch in ökologischen Kollektiven wohnen und mit La Caille eine Art Bündnis geschlossen haben. Es wurde sich über diese Art von Lebensform ausgetauscht und eine kleine Führung über La Caille gegeben.

Babysitting