Von Abschied, Brot und Hobbitbars

Besser spät als nie möchte ich noch von meinen letzten Erinnerungen an Frankreich berichten.

Verewigung durch Pflanzung einer Feige in Lottes Forêt Nurricière auf La Caille

Wir haben noch mit Clement an der Verkleidung des Mobilhomes gearbeitet, in Hochtouren das Festival geplant, sind mit Isis neuem eigenen Kleinbus rumgefahren und dann habe ich plötzlich alles zum letzten Mal gemacht. Dienstag der Chor, Mittwoch das Essen auf La Mhotte und das abendliche Chillen mit den Freiwilligen, schließlich auch das Füttern der Tiere und nebenbei schon Koffer packen. Natürlich bin ich nicht einfach so verschwunden. Es gab ein wunderschönes, gemeinsames Abschiedsessen, kleine süße Geschenke für mich (Nina hat mir sogar eins ihrer Kuscheltiere geschenkt, ich kanns nicht fassen!) dann das letzte Picknick und einen letzten Wochenendtrip nach Vichy mit den anderen Freiwilligen. Wir haben gesungen, geredet, Kaffée getrunken und die Stadt besichtigt, am See entspannt und noch einen Freiwilligen aus Vichy getroffen. Es fühlte sich nicht an wie Abschied und es war ganz komisch, mich von der intensiven Zeit dort zu trennen.

Vichy

Danach bin ich noch zu einer anderen Einsatzstelle gefahren, im Charante (Westen Frankreichs), der Ferme de Chassagne. Hier war es dann die französische Realität, keine hippiemäßige Eigenwelt. Mit dem Freiwilligen dort habe ich eine Woche lang jeden Tag in einer Biobäckerei mit riesigem Steinofen gearbeitet, die Mühle und den Hofladen betreut und im Lager geholfen. Das war sehr interessant und von Abwiegen über Teig perfekt einschneiden und mit Laserpointer die Ofentemperatur messen bis hin zum Verkauf der Brote hab ich viel gelernt. Ich musste aber auch mitbekommen, dass Hunde- und Katzenjungen das Leben genommen wurde und wie einsam das Leben sein kann, wenn man nicht in einer jungen Ökogemeinschaft wie im Allier lebt. Der Chor dort war voller Rentner, die Gegend industriell und der Biohof mit seinen Ambitionen eine Ausnahme.

Danach lernte ich den Ort „Ô Saveur de l’instant“ in der Bourgonge kennen. Ein Ort, wo Qigong und Yoga, Tinyhouses und ökologische Bauweise, Permakultur und Tierhaltung Thema ist. Aufgrund der Ferien war dort quasi Stillstand, ich konnte aber trotzdem die Nachbarn kennenlernen, die zugegeben eine etwas engstirnige Mentalität hatten – ich wollte nur wieder raus aus den kleinen Bauernstuben wo man um 11 Uhr Wein trinkt (und zwar nicht zu wenig!) genausoviel Fernsehen konsumiert und sich über nachhaltige und bewusste Lebensformen lustig macht! Ich durfte aber auch mit dem selbstgebauten solarbetrieben Fahrrad-Kettkar-Mischfahrzeug mitfahren und so im Dorf noch ein sehr nettes Pärchen kennenlernen. Dass sie verrückt sind, wusste ich vorher (wurde gewarnt) aber dass sie so lustig und weltoffen, selbstironisch und weltrettend zugleich waren, das hat mich überrascht. Ich hab mich sofort wohl gefühlt, bei dem Typen mit crazy Klamotten gefühlte 3 Meter groß, der Frau, die merkwürdigen Tee zubereitet und dem mega unprofessionell selbstgestalteten Haus, das innen nach Räucherstäbchen riecht. Sie fahren überallhin mit dem Fahrrad oder einem wie oben beschriebenen Gerät, obwohl sie mitten auf dem Land wohnen und stellen alles selbst her, was man selbst herstellen kann.

Nachbar Francs Schafe
Nachbarschaft
Kunst mit Pflanzen

Gearbeitet habe ich dort an einer Permakulturfilteranlage, was cool klingt aber erstmal mit sehr viel Gestank verbunden war. Dann hab ich noch Holz mit einer Kettensäge für den Nachbarn zersägt und mich im Treckerfahren geübt.

Natürliche gefilterte Badestelle

Die letzten 3 Tage habe ich mit Siiri aus La Mhotte in Tours verbracht, ein kleines französisches Städtchen mit einer großen Kneipenmeile. Eine Bar war wie eine Hobbitbar, alles aus Holz und man saß wie in kleinen Häuschen, an den Wänden trinkende Mönche und Fensterzeichnungen. Wir haben zwei Tage lang Briefe schreibend, Kaffée trinkend und quatschend in einem Café verbracht, uns zwischendurch von den Massagestühlen in einem sprituellen Geschäft massieren lassen und jeden Duft ausprobiert.

Hobbitbar
Tours

Meine Zeit auf La Caille war zu Ende. Ich bin sehr dankbar für all die Erlebnisse, die Erfahrungen, Kenntnisse die ich sammeln durfte und Menschen, die ich kennenlernen durfte. Meine Ökoblase im Allier wird immer ein besonderer Ort für mich bleiben und ich war garantiert nicht zum letzten Mal dort. Es war meine Entscheidung zu gehen aber das Reisen und das, was in La Mhotte und La Caille doch irgendwie zur Gewohnheit geworden ist, hab ich irgendwie gleichzeitig direkt vermisst. Nach über einem halben Jahr Auslandsaufenthalt war es dann ein richtiger Kulturschock zu Hause anzukommen… und Corona-Quarantäne gleich mit.

Au revoir Frankreich, Auf Wiedersehen Blog!

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