Feiern und Wertschätzen

Ich bin nun schon seit einem Monat in meiner Einsatzstelle und langsam wird es kalt hier. Immer noch gibt es mega viiiel zu tun.

Auf dem „Fête des possibilités“ mit ökologisch-sozialem Schwerpunkt in Moulins kamen viele verschiedene Höfe und Organisationen zusammen und haben ihre Ideen geteilt oder ihren Lifestyle präsentiert, wie man z.B. ganz theoretisch Krieg vermeiden kann oder auch praktisch engagierte Communities aufbaut, die Systeme verkörpern in denen der ökologische Fußabdruck möglichst gering und die Nahrungs und Ressourcenkreisläufe innerhalb möglichst abgeschlossen sind (Permakultur etc.). Wow war das viel französisch! Viel verstanden hab ich bei den sehr gerne von ihren Projekten erzählenden Leuten erstmal nicht… Ich hab mich aber gefreut, dass es, obwohl es oft gesellschaftskritische und -abgewandte Communities sind, keine Ideen von Isolation waren, sondern überall Offenheit herrschte und man an Austausch und Integration von neuen Leuten interessiert war.

Wir auf La Caille wollen auch selbst aktiv werden und nicht nur davon reden und arbeiten daran, La Caille über die nächsten Jahre zu einem Öko-Dorf mit vielen unterschiedlichen Bewohnern zu verwandeln und planen dafür einen Food-Forest. I love it!

Letzte Woche wurden wir eingeladen von einem professionellen Demeterbauern der Gegend an den Ritualen zur Dynamisierung der Erde teilzunehmen. In der biodynamischen Landwirtschaft, die wie die Waldorfpädagogik von Rudolf Steiner etabliert wurde, müssen – orientiert an den Sternenbildern – einmal im Monat die Komposte und Felder nach speziellen Vorgaben mit Präperaten versehen werden. Dazu werden die Einzeln ein halbes Jahr unter der Erde pur verrotteten Kräuter Brennesseln, Löwenzahn und Schafgarbe, Kamille und Baldrian ausgegraben und getrennt voneinander in Löcher im Komposthaufen versenkt. Es darf nicht gemischt werden, weil – das glaubt man – die Energien der Präperate in den gesamten Haufen ausstrahlen. Danach haben wir für das Feld mit Wasser verdünnte Kuhgülle eine ganze Stunde lang gerührt. Immer so lange in eine Richtung, bis ein Strudel entsteht, dann wird die Richtung geändert und so das Wasser aktiviert. Nächste Woche soll das ganze dann in ein Kuhhorn gefüllt werden (nur von weiblichen Kühen, die möglichst viele Kälbchen hatten, männliche Kuhhörner funktionieren wohl nicht, es geht um die weibliche Energie, andere Lebewesen wachsen zu lassen). Das Ganze wird dann in die Mitte eines Feldes eingebuddelt und soll seine Energie ausstrahlen. Man benutzt die Exkremente der Kühe, weil sie durch ihre vielen Mägen eine Flüssigkeit mit genau dem richtigen Nährstoffgehalt ausscheiden.

Güllewasser dynamisieren

Ich hoffe ich hab es korrekt wiedergegeben. Leider konnte mir keiner genau erklären, wie das alles funktionieren soll. Die Richtlinien scheinen sich vor allem auf Rudolf Steiners übersinnlichen „Eingebungen“ zu begründen. Ich glaube zwar nicht daran, aber interessant war es schon und ich verbinde mit dem Akt einfach eine Wertschätzung der Natur gegenüber.

Außerdem hatten wir auf La Caille zwei Geburtstage zu feiern. Lou, die Tochter der Familie hier wurde 7 Jahre alt, es gab einen Kindergeburtstag, viele selbstgemachte Geschenke und ein Spektakel von Laura, meiner Mitfreiwilligen, die mit einem Feuerstock spielen kann.

Zu Connys Geburtstag (die Hofbesitzerin) gab es ein großes gemeinsames Essen, Musik und eine von uns vorbereitete Überraschung, indem wir uns alle bizarr verkleidet haben (dafür wurde die Gratuiterie geplündert). Conny und Lou haben an dem Abend auch noch eine Clownsshow vorgeführt, deren selbstgemachte Kostüme haben wirklich nochmal alles getoppt.

Connys und Lous Clownsshow

Laura spielt für Lou

Gearbeitet haben wir an einem Weidenzaun für einen neuen Kompost (das Absägen der Äste hat wirklich Spaß gemacht), den wir bald weben werden und an dem neuen Hühnerstall. Gerade sind alle vier Großeltern der Familie zu Besuch und ich hatte das Glück, dass Lottes (die Mutter der Familie) Vater mir einige Skills in Sachen Holzarbeit beibringen konnte.

Weidenäste schneiden
Brutstellen bauen

Am Freitag beim Soiree gab es ein Konzert von einer französischen Musikgruppe namens Steak, die der Ladenbesitzer Simon eingeladen hatte. Supercooler und tanzbarer Jazz und sehr nette Gespräche mit den Musikern haben den Soiree so nochmal schöner gemacht. Außerdem waren die neuen Étudients vom Foyer angereist und mit von der Partie.

Um noch weiter zu feiern und wertzuschätzen haben wir einen Appretiate-Day mit den anderen Freiwilligen auf La Caille veranstaltet, den wir schon lange geplant hatten. Uns war aufgefallen, dass man immer erst merkt, wie gut es einem eigentlich geht, wenn man Wehwehchen hat…. Dabei ist frei atmen zu können z.B. auch schon was Cooles – fanden wir. Deshalb wollen wir das einmal im Monat zusammen feiern. Gestern bei Wein, Wraps und Werwolf.

Appreciate-Day

Eine Empfehlung hab ich noch: Borretschblüten im Salat. Schmecken ein bisschen wie Gurke und sind trés jolie:

Danke Garten! 🙂

Borretschblüten

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